Auch wenn es uns mittlerweile gelingt, die stinkenden, flutschigen Fishballs mit Stäbchen aus der Suppenschüssel zu angeln, oder es ein paar von uns nicht mehr viel ausmacht, auf eine der verteufelt scharf brennenden Chilischoten zu beißen: wir werden immer nur Zugereiste sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ist noch Zukunft

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ist noch Zukunft

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ist noch Zukunft

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ist noch Zukunft

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es ist doch immer das gleiche. Da schafft man es ins Bett, alle schlafen, nur man selbst nicht und dann wird draußen noch gegrillt.

Es ist schwierig, wenn man umsiedelt und die heimische Ernährung zu großen Teilen nicht stattfinden kann, da zu teuer (Wurst von der Wursttheke), es das nicht gibt (Käse von der Käsetheke), schwer zu bekommen ist (Wurst von der Wursttheke) oder komisch (anders) aussieht (Brot).

»An asian background that's what's reflected / but this militant vibe ain't what you expected / with your liberal minds you patronize our culture / scanning the surface like vultures / with your tourist mentality / we're still the natives.«

 

 

 

Da aber kaum jemand hier ist, kann auch nicht viel Besuch erwartet werden, ergo schleift die Routine der Guards. Dummerweise fühlen wir uns seither weniger sicher quasi. Denn die Kollegen sind nicht etwa zwei Meter groß, muskulös und bewaffnet, wie man vielleicht vermuten könnte.

Momentan ist es bei uns diesig. Also, diesig im Sinne von »hoher Wasseranteil in der Luft«. Das geht normalerweise meist Mittags wieder weg - in Deutschland. Nur, es geht momentan nicht nur Mittags nicht weg, es geht derzeit überhaupt gar nicht mehr weg. Diesig nennt man hier deshalb »Haze«.

Bis zur letzten Sekunde haben wir in unserer Hamburger Wohnung versucht, alles chico zu machen. Hinterlassen haben wir gefüllte Müllsäcke, halbleere Schränke, ein bis zwei Kommoden und ungeputzte Fenster.

 

Wir wohnen also jetzt in einem Condominium. Dabei handelt es sich um ein »Luxus-Ghetto« für Expats, getarnt als harmlose Wohnanlage oder als modernes Hochhaus.

Der nächste Meilenstein war eigentlich keiner, denn tatsächlich sind die »30 minutes« eingehalten worden, es hat geklingelt. Sofort wurden Handouts verteilt, und es war klar, was in den nächsten 6 Stunden passieren wird.

Wir stellen fest, dass wir in unserer Luxus-Blase von chinesischen (zumindest asiatischen) Nachbarn eingekesselt sind. Mindestens jedoch unter und über uns leben keine Europäer und rechts neben uns: »Jerrymouse«.

Einige lokale Privat-Schulen verzichten auf Uniformen. Die Tochter einer Bekannten geht da hin, sie sieht durch eine fiese Sehschwäche nur auf 25 Meter scharf. Für sie sind einheitlich gekleidete Mitschüler ein Alptraum.

Grundsätzlich gab es immer 2 Bedingungen: a) niemals dahin, wo man sich bewaffnen muss, b) niemals dahin, wo Autoreifen brennen.

Selbst wenn wir über eine Entsendung sprachen: immer nur theoretisch. Klar, kann man sich das vorstellen. Aber mitm Ferrari durch Las Vegas zu heizen kann ich mir auch vorstellen. Man machts aber eh nicht. Das mit Las Vegas.

Es ist es verboten, die Straße irgendwo zu überqueren, in der Bahn zu essen und zu trinken und außerdem ist es verboten, zu lügen.

Wir haben so einen Familienplaner. Jeder von uns 4 hat seine eigene Spalte; üblicherweise gibt es eine Spalte, die meistens prall gefüllt ist. 

Aber, was in keinem Fall zu kurz kommen durfte: unsere Freunde! Denn das Schlimme an so ner Entsendung ist ja auch, dass man die dann alle erstmal nicht mehr sehen kann! Vergisst man nämlich schnell. 

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